Als hätte ich den Namen meines Weblogs in weiser Voraussicht gewählt. Am Donnerstag wurde es Wirklichkeit. Dass es in Deutschland an diesem Tag etwas ungemütlicher werden sollte war ja bekannt, aber doch nicht so gravierend wie es nun schlussendlich war.
Ich hatte am Mittwoch mein Zugticket nach Karlsruhe gekauft und war nur ein wenig in Sorge, dass ich meinen Anschlusszug in Hannover verpassen könnte und dann 2 Stunden länger unterwegs sein sollte. Aber dass daraus eine Himmelfahrt wurde, damit hat dann keiner gerechnet. Insgesamt 14 Stunden war ich unterwegs und um 3:50 war ich dann endlich in Karlsruhe angekommen. Im Fotoblog sind einige Schnappschüsse aus der Nacht. Keine qualitativ schönen Fotos, aber als Erinnerung an diese Nacht auf jeden Fall gut genug.
Das ganze nun noch ein wenig detaillierter: Bis Hannover war die Welt noch in Ordnung. Lautsprecherdurchsagen machten einen darauf aufmerksam, dass man nicht zu nahe an die Bahnsteigkante gehen sollte. Außerdem dröhnte auf unserem Gleis die Info aus den Lautsprechern, dass die Züge aus Hamburg ca. 20-30 Minuten Verspätung hätten. Auf anderen Gleisen herrschte auch schon ein wenig Chaos, da ein Zug aus dem Süden ausgefallen war und die Leute auf andere Züge verteilt wurden. Naja, wird schon nicht so schlimm werden, dachte ich mir da noch. Kurz bevor unser Zug in den Bahnhof einfuhr musste ich noch das Gleis wechseln, warum auch immer….
Im Zug dann schien erstmal alles normal zu verlaufen. Man konnte im Westen eine dunkle Wand aus Wolken ausmachen und der Regen peitsche gegen den Zug, aber bis dahin war alles ok. Als ich hinter Göttingen war bekam ich die erste SMS von Dominik, dass die Flughäfen in Bremen, Hamburg und Dortmund gesperrt wurden und in Niedersachsen keine Züge mehr fuhren. 30 Minuten später ein Anruf meiner Ma mit der Info, dass auch in NRW alle Züge in den Bahnhöfen blieben und nur noch der Fernverkehr mit gedrosselter Geschwindigkeit fahren durfte. Bis dahin merkte ich aber noch nichts. Irgendwie hatte ich da schon das Gefühl, dass die Leute zu Hause an ihren Fernsehern mehr über die Bahn und Flughäfen wusste als die Reisenden, die unterwegs waren. Unser Zug fuhr “noch” mit normaler Geschwindigkeit. Irgendwann merkte man aber, dass der Wind gegen den Zug drückte und dann kam auch schon die Durchsage, dass unser Zug auf 50 kmh gedrosselt wurde. Das war irgendwo hinter Kassel. Naja, mit 50 kmh kommt man vielleicht in 5 Stunden in Karlsruhe an, aber so sollte es ja nicht bleiben. Hinter Marburg bzw. kurz vor Giessen dann der 1. Stillstand. Warten, warten, Durchsage vom Zugpersonal, warten, neue Durchsage, keine Änderung, SMS schreiben, warten. Irgendwann dann die Info, dass ein Baum die Weiterfahrt blockiere, aber es weitergehen sollte, sobald die Schienen frei wären. Zu dem Zeitpunkt hatte unser Zug schon 1:30 Verspätung, es gab kostenlose Getränke im Bord-Bistro und das Zugpersonal nahm die Situation gelassen und mit guter Laune. Bei den Reisenden war es ähnlich und so war die Situation überhaupt nicht angespannt. Irgendwann wurden dann auch Snacks umsonst ausgegeben, später dann sogar warme Mahlzeiten. Das Warten nahm ja auch kein Ende, aber das stört einen ja nicht so sehr, wenn man sich nett mit Mitreisenden unterhält. So lernt man natürlich auch Leute kennen und ich möchte an dieser Stelle ganz liebe Grüße nach Hamburg an Patrick und nach Oldenburg an Katrin senden. Wir 3 tranken uns erstmal ein Bierchen auf Kosten der Bahn und unterhielten uns über unsere eigentlich Reisepläne. Patrick wollte in die Schweiz zum Snowboarden und Katrin hatte ein Bewerbungsgespräch in Heidelberg am nächsten Morgen um 11 Uhr.

Irgendwann ging die Fahrt mit 50 kmh dann weiter, wurde aber nach ca. 5 Minuten mit eine
r Vollbremsung beendet. Vor uns lag erneut ein Baum. Diesmal baumelte wohl aber auch die komplette Oberleitung vor dem Triebwagen und es kam kein Weiterkommen. Zu dem Zeitpunkt scherzte ich noch mit Patrick, dass nach Murphys Gesetz auch noch ein Baum hinter uns umfallen müsste. Das hofften wir natürlich nicht und nach dem Patrick den Zugfahrer in den Zug gelassen hatte (Der Triebwagen ist ja eigentlich vom Zug getrennt), sollte unsere Fahrt in Richtung Giessen ein Ende haben. Statt dessen war der Plan geändert worden, denn es sollte zurück nach Marburg gehen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich natürlich schon durch die SMS-Infos, dass der komplette Bahnbetrieb in Deutschland eingestellt worden war. Egal, irgendwie wird es schon weitergehen. Tja, aber 1. kommt es anders, 2. als man denkt. Wir fuhren zwar wieder los, diesmal mit ca. 30 kmh, aber immerhin besser als gar nicht. In Lollar war dann Endstation. Der Zugbegleiter musste sich erneut entschuldigen, man bemerkte aber sein breies Grinsen, weil er konnte es glaub ich selber nicht so ganz glauben. Grund dafür war die Tatsache, dass Murphys Gesetz sich bestätigt hatte und hinter uns auch ein Baum lag und wir somit auch nicht mehr nach Marburg konnten. Ach wie schön ist doch Lollar… da konnten wir sogar an Fenstern und Häusern noch Weihnachtsdekoration entdecken und diese Idylle genießen :P.

Im Warten waren wir ja schon geübt und unsere Mitreisenden kannten wir ja nun auch schon. Einige wollten sogar mit einem Taxi nach Darmstadt. Irgendwann kam dann die Durchsage “Die Person XYZ möge bitte aussteigen, da die Tante draußen zum Abholen steht”. Eigentlich wollten wir das Bistro zum Partyabteil umfunktionieren, aber leider konnte man nur den kompletten Zug mit den Lautsprechern erreichen. Irgendwie hatte ich aber im Gefühl, dass der Zugbegleiter das ansonsten wirklich gemacht hätte.
Und auf einmal (Spannung steigt) stiegen neue Leute in den Zug. Fremde!!!! Wo kamen die denn her? Oh, aha, hm, aus Giessen mit einem Bus. Und so wurden wir von dem Zugpersonal aufgefordert auszusteigen, da die Busse uns nach Giessen fahren sollten und dieser Zug weiter nach Marburg fährt, wenn der Weg denn wieder frei wäre. Ok, dann mal alle Sachen gepackt und raus in den Sturm. Und da warteten wir vor dem Vereinsheim des Türspor Lollar, an diesem reizenden Bahnhof in stürmischer Nacht, betreut von 6 Polizisten und dem Zugbegleiter mit dem ewigen Grinsen, aber kein Bus zu sehen.
Nach ca. 20 Minuten kamen erneut eine Menschentraube den Weg hinauf und diese Leute kamen aus Giessen. Die Busse standen um die Ecke und warteten auf uns. Fein, dann ging es nach Giessen. Dort wurden wir in einen IC “verladen”, der dann in jedem Dorf hielt um Reisende austeigen zu lassen. Inzwischen wurden wir müde, aber unsere Laune war dennoch gut. Immerhin ging es ja weiter.

Irgendwann gegen 2:30 kamen wir in Frankfurt an. Hm, laut Anzeigetafel sollten wir auf die Gleise 8 und 9. Dort standen Züge zur Übernachtung bereit, da der Zugverkehr bis auf weiteres eingestellt war. Naja, irgendwie hatten wir dann doch noch Glück im Unglück. Ich schnappte mir 6 Personen und dann ging es im Großraumtaxi nach Karsruhe. Das natürlich auf Kosten der Bahn.
Um 3:50 war der Spuk vorbei und wir kamen in Karlsruhe an. Was bleibt denn nun noch zu sagen? Aufregende Reise von über 14 Stunden, nette Leute kennengelernt und ein engagiertes und nettes Zugpersonal und hilfsbereite Mitarbeiter der Bahn, die das Chaos in Grenzen halten konnten und ihr Bestes gegeben haben. Auch wenn man sonst oft meckern muss, diesmal geht ein dickes Lob an den Service der DB.
So, Finger wund getippt und habt nun wohl auch ge
nug gelesen für heute.
Bis bald,
Daniii