Emergency

Nach langer Zeit mal wieder ein paar News aus Wales. Leider war ich die letzten 2 Wochen verhindert, da ich lieber im Bettchen geblieben bin.
Aber wie kam es denn überhaupt dazu, dass ich krank wurde bzw. was wurde hier vom Gesundheitssystem geleistet? Nicht viel, um es mal auf den Punkt zu bringen. :( Freitagabends fing alles an. Ich bekam Rückenschmerzen und Kopfschmerzen. Den Samstag über kam dann Fieber hinzu und die Rückenschmerzen wurden schlimmer. Der erste Gedanke ging an meine Nieren, die ja sehr anfällig sind und mit denen ich keine Späßchen treiben sollte. Ok, was tut man da? Ich versuchte mich im Internet schlau zu machen, ob es einen Notdienst gibt, der nicht gleich im Krankenhaus endet. So was gibt es hier nicht oder ich habe es nicht wirklich gefunden. Auf der Uni-Webseite fand ich auch nicht die passenden Informationen. Also fragte ich meine Mitbewohnerin Sofia um Rat. Sie sagte mir, wo das Krankenhaus wäre, in welchem Sie mit ihrem gebrochenen Fuß behandelt wurde. Dort rief ich dann am Samstagabend and und wurde an eine Hotline verwiesen, die Notfälle entgegennimmt und die nötigen Schritte einleitet. Also rief ich dort an. Der Service nennt sich Primecare und ich wurde von einem zum anderen Mitarbeiter weitergereicht. Zum Ende hin sagte man mir, dass man mir eine Ambulanz schicken könnte, die mich dann ins Krankenhaus bringen würde, da das Krankenhaus noch bis 2 Uhr nachts Notfälle behandelt. Das wollte ich ja nun auch nicht. Also sollte ich am nächsten Morgen anrufen, weil man dann einen Termin mit dem Krankenhaus vereinbaren könnte. Gesagt – getan. Am nächsten Morgen rief ich dort wieder an und bekam für nachmittags einen Termin. Dort schleppte ich mich dann mit dem Bus hin, denn dann Krankenhaus ist 20 Minuten mit dem Bus entfernt.
Nach 1,5 Stunden warten kam ich dann endlich an die Reihe. Mir wurde schon bei dem Gedanken schlecht, dass dieser ekelig aussehende, dickleibige Inder mein Arzt sein soll, der in einem grauen Anzug und beladen mit Goldekette und Ringen vor mir stand. Na ja, im Notfall macht man ja Abstriche. Ich wurde nicht angebracht untersucht und nur durch einen Urintest festgestellt, dass ich eine Niereninfektion hatte. Na toll, das hätte ich ihm auch gleich sagen können. Er verschrieb mir Tabletten, sagte mir aber nicht für was ich die nehmen sollte. Er faselte was von Schmerzlinderung und dass es schon besser werden wird und ich solle zu meinem Hausarzt gehen. Auf meinen Einwand, dass ich keinen habe ging er nicht ein und auch sonst war ihm alles ziemlich egal. Er fing an von Deutschland zu labern, dass er selber 2 deutsche Autos hätte, einen Mercedes natürlich und dass er auch schon einmal in Deutschland bei einem Bekannten war und ob ich diesen kennen würde. Hallo?! Geht’s noch?! Auf meine Frage, wo ich denn die Medikamente bekommen könnte, sagte er ganz nüchtern, dass ich am selbigen Abend nur von 6.00 pm – 7.00 pm in Cardiff eine Apotheke finden könnte, die an einem Sonntag geöffnet hätte. Das war zu viel für mich und ich brach in Tränen aus. Dann kam die Rezeptionistin und beruhigte mich und sie erklärte mir das, was ich eigentlich wissen wollte. Der dumme Arzt hat das einfach nicht gerafft oder ihm war das egal. Sie hat mir dann auch 4 Tabletten gegeben, damit ich nicht in dem Zustand am Abend noch nach Cardiff fahren musste. Damit fuhr ich dann nach Hause und hoffte auf Besserung. Aber am Abend bekam ich dann noch Husten und Schnupfen und das Fieber stieg weiter.
Am nächsten Tag sollte ich ja eigentlich meine Datenbank-Klausur für Deutschland schreiben, was in diesem Zustand natürlich nicht ging. Mir wurde gesagt, dass ich zum Health Centre der Uni gehen soll um dort einen Arzt aufsuchen zu können. Dort wurde ich von einer „Nurse“ abgespeist, dass das Medikament schon das richtige sei und ich nicht zu einem Arzt gehen bräuchte oder auch nicht gehen könnte, weil ich nicht registriert sei. Nachdem ich aber weiterhin fragte bekam ich ein
en Zettel mit einer Nummer von einer Arztpraxis. Da rief ich dann direkt an und wurde auf einen Termin am Donnerstag verwiesen. Ich bat um einen früheren Termin, da es sich um einen Notfall handeln würde. Kein Erfolg, ohne Termin würde nix gehen und vor Donnerstag wäre alles ausgebucht. Ok, bis dahin hatte ich also nicht viel mehr erreicht als mir in der Apotheke das Medikament zu holen und auf Donnerstag zu warten, in der Hoffnung, dass es mir bis dahin ohnehin besser gehen würde.
Die Nächte waren schlimm trotz Tabletten gegen Fieber und Antibiotikum ging das Fieber nicht wirklich runter und ich musste 2 Mal pro Nacht meine Klamotten wechseln. :/
Am Dienstag wurde es immer noch nicht besser und ich rief erneut beim Arzt an und fuhr mittags direkt zu der Praxis. Dort wurde ich dann von einer Ärztin empfangen, die zumindest ein wenig mehr Verständnis hatte und mir ein anderes Antibiotikum verabreichte. Aber eine vernünftige Untersuchung bekam ich dort auch nicht. Sie wollte einen Termin mit einem Spezialisten vereinbaren, den ich dann aber privat zahlen müsste. Diesen Termin würde ich per Post zugeschickt bekommen, da diese meistens sehr lange Wartezeiten haben. Dazu habe ich dann nichts mehr gesagt, mir meinen Teil gedacht und die anderen Medikamente in der Apotheke geholt. Aber immerhin bekam ich von der Ärztin die lang ersehnte Krankschreibung, die mir vorher keiner geben konnte. Immerhin etwas habe ich erreicht. Na ja, wäre es nicht besser geworden, dann hätte ich ja wieder zu dieser Praxis gehen können. Oder aber ich wäre nach Hause geflogen.
Eine Woche später war das Schlimmste überstanden, das Fieber ging langsam runter. Aber ob das nun alles so richtig war bezweifle ich. Zum Glück hatte ich mir vor meiner Abreise alle nötigen Medikamente besorgt, die man eventuell für Husten, Schnupfen und Fieber braucht. Und ich kann jedem nur raten, dass er sich mit genügend Zeug eindeckt bevor er sich auf den Weg nach Großbritannien macht, denn das Gesundheitssystem ist zum Kotzen. Wirklich geholfen wird einem hier nicht und ich komme mir vor wie im Mittelalter.

2 Kommentare zu „Emergency“

  1. Alja sagt:

    Hi!
    Das klingt echt nicht gut! Da bin ich dann ja mal gewarnt für meine nächsten Wales Aufenthalte! Aber, ich muss dich schon fragen, wann warst du das letzte Mal in einem deutschen Krankenhaus???? Ohne einen besonderen Bonus von Vitamin C? Oder einem gewöhnlichen Arzt? Ich hätte da für beides feine Geschichten anzubieten. Kurz zB: Meine genähte Narbe am rechten Handgelenk wurde nie desinfiziert der behandelnde Arzt hat es leider vergessen- fiel nur auf weil die Krankenschwester nachfragte ob der Tupfer noch gebraucht würde :( Der Arzt in Bremen hat mich stundenlang im Wartezimmer sitzen lassen und mich dann unter Verdacht von Pfeiffersches Drüsenfieber in Quarantäne geschickt. Für die Kontrolle saß ich wieder zwischen alle Patienten. Nach 10 Tagen war er dann auch meiner Meinung, dass es eine verschleppte Mandelentzündung ist. Dafür war ich einen angeblichen Herzfehler reicher.
    Ich will nicht generell sagen das deutsche Gesundheitssystem ist komplett sch****, aber von besonders hervorragend kann man da jetzt auch nicht reden! Aus der Perspektive eines Ausländers in Deutschland könnte das noch mal anders aussehen.
    Nach deiner Erzählung werde ich auf jeden Fall mal herausfinden wie das für unsere Austauschstudenten aussieht. Ehrlich gesagt habe ich nämlich keine Ahnung wie es für sie in solchen Notfällen ist. :)
    Grüße aus Bremen & Gesundheit!!!
    (weiterhin, damit es dein einziges Erlebnis dieser Art bleibt!)

    Alja

  2. Daniii sagt:

    Ja, also ich war vor 2 Jahren in einem deutschen Krankenhaus und ich muss sagen, dass ich da nur gute Erfahrung gemacht habe. Lag aber vielleicht auch daran, dass zu der Zeit die Betten nicht ausgebucht waren. Auch mit meinen Ärzten bin ich durchaus zufrieden. Die nehmen einen ernst und schicken einen nicht nach Hause mit der Begründung “Sie haben keinen Termin” oder “Sie sind nicht registriert”. Und selbst wenn man dann beim Arzt ist wird man nicht untersucht. o,O

    Muss aber zugeben, dass ich nicht weiss, wie es den Austauschstudenten in Deutschland geht. Das Health Centre meiner Uni hier konnte mir da aber auch nicht weiterhelfen, was ich ehrlich gesagt als schwache Leistung abstempeln muss, denn die sollten am ehesten wissen, wie man mit Austauschstudenten umgehen muss. Es gibt ab dem 1.1.2006 nämlich das Abkommen, dass sämtliche Leistungen für EU Bürger auch gelten. Leider habe ich diese Info erst vor kurzem gefunden. Aber geholfen hätte das in meiner Situation eh nicht.

    Nun ist ja alles vorbei und ich kann durch die Gegend “cruisen” und mir alle schönen Dinge ansehen, die es hier zu erblicken gibt.

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